LKW-Maut Polen: Das e-TOLL-System

Kurzantwort: Ein 40-Tonnen-LKW zahlt in Polen rund 0,12 €/km auf e-TOLL-Strecken – eines der günstigsten Mautländer Europas. Die Maut gilt für Fahrzeuge über 3,5 t auf Autobahnen, Schnellstraßen und ausgewählten Nationalstraßen; abgerechnet wird über e-TOLL (OBU oder App).

Polen gehört zu den günstigsten Mautländern Europas – und ist zugleich das wichtigste Transitland zwischen West- und Osteuropa. Seit 2021 betreibt Polen das elektronische Mautsystem e-TOLL, das den Vorgänger viaTOLL abgelöst hat. Betreiber ist die Krajowa Administracja Skarbowa (KAS), die polnische Steuerverwaltungsbehörde. Das System erfasst Nutzfahrzeuge auf ausgewählten Autobahnen, Schnellstraßen und Nationalstraßen vollautomatisch – ohne Schranken und ohne Wartezeiten.

Welche Straßen sind mautpflichtig?

Mautpflichtig sind in Polen Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht auf einem definierten Netz aus:

  • Autobahnen (A): Ausgewählte Abschnitte der A1, A2, A4, A6 und weiterer Trassen
  • Schnellstraßen (S): Teile des S-Straßennetzes, insbesondere auf wichtigen Transitkorridoren
  • Drogi krajowe (DK): Bestimmte nationale Fernstraßen

Wichtig: Nicht das gesamte Autobahnnetz ist über e-TOLL abgerechnet. Einige Strecken werden separat behandelt.

Konzessionsstraßen: Sonderfall mit Mautschranken

Ein Sonderfall im polnischen Mautsystem sind die sogenannten Konzessionsstraßen. Hier haben private Betreiber den Bau und Betrieb übernommen und erheben die Maut eigenständig über klassische Schrankenanlagen. Ein bekanntes Beispiel ist die A1 im Abschnitt Toruń–Gdańsk (Rusocin–Nowa Wieś, 152 km), die von der Gdańsk Transport Company (GTC) unter der Marke AmberOne betrieben wird. Auf diesen Abschnitten zahlen Fahrer direkt an der Schranke – per Karte, Bargeld oder Transponder – und nicht über e-TOLL.

Die A1-Konzessionsstrecke hat zwölf Mautstellen (Rusocin, Stanisławie, Swarożyn, Pelplin, Kopytkowo, Warlubie, Nowe Marzy, Grudziądz, Lisewo, Turzno, Lubicz, Nowa Wieś) im geschlossenen System: Sie nehmen bei der Einfahrt ein Ticket und zahlen bei der Ausfahrt nach Fahrzeugkategorie. Für einen 40-Tonnen-LKW (Kategorie 2–4 nach Achsenzahl) kostet die komplette Durchfahrt 2026 71,00 PLN brutto (ca. 16,50 €) – der TollCalc-Mautrechner weist diese Strecke automatisch als eigenen Posten aus. Nur Sondertransporte bzw. nichtnormative Fahrzeuge (Kategorie 5) zahlen mit 298,90 PLN den zehnfachen Kat.-1-Satz.

Eine weitere Konzessionsstrecke ist die A4 Katowice–Kraków (Mysłowice–Balice, ca. 61 km), betrieben von Stalexport Autostrada Małopolska (SAM). Sie hat zwei Mautplätze (PPO Mysłowice und PPO Balice), an denen jeweils die halbe Streckengebühr kassiert wird. Für LKW (Kategorie 4/5, mehr als 3 Achsen) gelten seit dem 1. April 2026 55 PLN brutto pro Mautplatz – die komplette Durchfahrt kostet also 110 PLN (ca. 25 €). Auch diese Strecke ist nicht Teil des e-TOLL und wird vom TollCalc-Rechner als eigener Posten ausgewiesen.

Die größte Konzessionsstrecke ist die A2 Świecko–Konin (255 km), betrieben von Autostrada Wielkopolska S.A. (Świecko–Nowy Tomyśl: AWSA II). Sie kombiniert ein geschlossenes System (Świecko–Poznań) mit einem offenen System (Poznań–Konin); die Poznań-Umfahrung (Poznań Zachód–Poznań Wschód) ist mautfrei. Der Tarif richtet sich nach der Achsenkategorie; für einen 40-Tonnen-LKW kostet die komplette Durchfahrt Świecko–Konin 2026 535 PLN brutto (ca. 124 €). Ab Konin (Konin–Stryków, staatlich) wird die Maut über e-TOLL erhoben. Für die Routenplanung bedeutet das: Auch auf einer Route, die scheinbar vollständig über polnische Autobahnen führt, können unterschiedliche Zahlungswege erforderlich sein.

Welche Fahrzeugdaten bestimmen den Tarif?

Die Mautberechnung in Polen basiert auf zwei Faktoren:

  1. Fahrzeuggewicht: Es wird zwischen Fahrzeugen unter 12 Tonnen und Fahrzeugen ab 12 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht unterschieden.
  2. Euro-Schadstoffklasse: Sauberere Fahrzeuge (Euro 5, Euro 6) zahlen weniger Maut als ältere Fahrzeuge mit höheren Emissionen.

Eine CO₂-Klasse wie in Deutschland gibt es in Polen nicht – das vereinfacht die Tarifstruktur erheblich. Aktuelle Tarife finden Sie in den Mautregeln für Polen.

Wie wird die Maut bezahlt?

Die Erfassung und Abrechnung über e-TOLL erfolgt auf verschiedenen Wegen:

  • OBU (On-Board-Unit): Ein fest eingebautes Gerät übermittelt Position und Fahrzeugdaten automatisch per GPS.
  • e-TOLL App: Für Fahrzeuge, die seltener nach Polen fahren, kann die offizielle Smartphone-App des polnischen Finanzministeriums genutzt werden. Das Gerät fungiert dabei als mobiles Erfassungsgerät.
  • Interoperable Transponder: Geräte wie Via EMYS oder BeeTRACK funktionieren grenzübergreifend und sind auch mit e-TOLL kompatibel – praktisch für Flotten, die mehrere europäische Länder befahren.

Die Maut wird in Polnischen Złoty (PLN) berechnet und abgerechnet. Die e-TOLL-Gebühr ist eine öffentlich-rechtliche Abgabe und wird ohne MwSt. abgerechnet (per Nota obciążeniowa). Nur die privat betriebenen Konzessionsstrecken (z. B. A1 AmberOne, A2 Świecko–Konin, A4 Stalexport) weisen 23 % MwSt. aus.

Strafen bei Nichtbezahlen

Polen kontrolliert die e-TOLL-Maut über stationäre und mobile Mautbrücken. Wer ohne gültige Registrierung auf mautpflichtigen Strecken fährt, muss mit folgenden Konsequenzen rechnen:

  • Nachzahlung der Maut für alle nicht bezahlten Abschnitte
  • Geldstrafe für den Fahrer und/oder den Halter – die Bußgelder können mehrere hundert Złoty betragen
  • Bei wiederholtem Verstoß drohen deutlich höhere Sanktionen und ggf. die Einleitung eines Verfahrens

Auf den Konzessionsstraßen gilt zusätzlich: Wer die Schranke ohne Bezahlung passiert, muss mit einer Vertragsstrafe des Betreibers rechnen.

Ist die polnische Maut steuerpflichtig?

Die e-TOLL-Gebühr ist eine öffentlich-rechtliche Abgabe und nicht mehrwertsteuerpflichtig – sie wird ohne MwSt. erhoben. Nur die privat betriebenen Konzessionsstrecken (z. B. A1 AmberOne, A2 Świecko–Konin, A4 Stalexport) sind umsatzsteuerpflichtige Leistungen und weisen 23 % MwSt. (brutto) aus; diese MwSt. kann als Vorsteuer abgezogen bzw. im EU-Ausland erstattet werden. Details: Mehrwertsteuer bei der LKW-Maut.

Polen im europäischen Vergleich

Polen gehört zu den günstigsten Mautländern in Europa. Für einen vollbeladenen 40-Tonnen-Sattelzug mit Euro-6-Motor fallen auf polnischen Mautstrecken deutlich niedrigere Kosten an als etwa in Deutschland, Österreich oder Belgien. Das macht Polen insbesondere für den Transitverkehr zwischen West- und Osteuropa attraktiv – und erklärt, warum Spediteure Routen durch Polen gegenüber nördlicheren Alternativen häufig bevorzugen.

Gleichzeitig gilt: Nicht jeder Kilometer auf polnischen Autobahnen ist mautpflichtig. Der tatsächliche Mautanteil an der Gesamtstrecke hängt stark von der gewählten Route ab – eine streckengenaue Berechnung mit dem TollCalc-Mautrechner lohnt sich daher.

Mautkosten für Ihre Polen-Route berechnen

→ Aktuelle Mautsätze & Mautrechner für Polen · → Route berechnen

Weiterführende Länder: Deutschland · Tschechien · Slowakei · Litauen · Weißrussland

Kostenbeispiele für typische Routen (40 t, Euro 6)

Die folgenden Beispiele zeigen die tatsächlichen e-TOLL-Kosten für einen 40-Tonnen-Sattelzug mit Euro-6-Motor, berechnet mit dem TollCalc-Mautrechner:

Route Strecke Maut
Warschau → Breslau (A2/A4) 365 km 45,54 €
Breslau → Danzig 490 km 55,40 €
Stettin → Kattowitz 570 km 71,55 €

Auf dem staatlichen e-TOLL-Netz gehört Polen damit zu den günstigsten Mautländern Europas: Auf langen Strecken fallen oft weniger als 0,13 €/km an. Deutlich teurer sind die privaten Konzessionsautobahnen: Allein die A2 Świecko–Konin kostet 124,19 €, und der polnische Teil von Berlin–Warschau (472 km) summiert sich auf 151,19 €. Auf diesem Korridor lohnt sich der Vergleich mit der e-TOLL-/Nationalstraßen-Route.

Tipps für Spediteure in Polen

  • e-TOLL-App reicht für Gelegenheitsfahrer: Wer nur gelegentlich durch Polen fährt, kann die offizielle App als mobiles Erfassungsgerät nutzen – keine feste OBU nötig.
  • Konzessionsstraßen einkalkulieren: Abschnitte wie die A1 Toruń–Gdańsk werden an Schranken separat bezahlt – mit Bargeld, Karte oder Transponder.
  • CO₂-Klasse spielt keine Rolle: Anders als in Deutschland gibt es in Polen keine CO₂-Komponente – die Euro-Klasse ist der einzige Emissionsfaktor.
  • Konzessionsmaut einkalkulieren: Auf den Konzessionsstrecken (A1 AmberOne, A2 Świecko–Konin, A4 Stalexport) fällt 23 % MwSt. an, die als Vorsteuer abziehbar bzw. erstattungsfähig ist – die e-TOLL-Gebühr selbst wird ohne MwSt. erhoben.
  • Transitplanung: Für Ost-West-Transite lohnt sich der Vergleich zwischen e-TOLL-Strecken und mautfreien Nationalstraßen – der TollCalc-Mautrechner zeigt beide Optionen.

Zahlen & Fakten zur polnischen Maut

  • Betreiber: KAS (Steuerverwaltung), System e-TOLL seit 2021
  • Erfassung: GPS-basiert (OBU, App, Transponder)
  • Mautpflicht: Autobahnen, Schnellstraßen, Nationalstraßen; > 3,5 t
  • MwSt.: e-TOLL ohne MwSt.; Konzessionsstrecken 23 % (brutto)
  • Sonderfall: Konzessionsstraßen mit Schrankenmaut

Tarife im Überblick (2026)

Die e-TOLL-Tarife in PLN/km für Fahrzeuge ab 12 Tonnen:

Euro-Klasse PLN/km
Euro 0–2 1,07
Euro 3 0,93
Euro 4 0,75
Euro 5 0,56
Euro 6 ca. 0,50

Umgerechnet (1 PLN ≈ 0,23 €) zahlt ein Euro-6-Sattelzug rund 0,12 €/km – deutlich weniger als in Deutschland, Österreich oder Frankreich. Für Fahrzeuge unter 12 Tonnen gelten niedrigere Sätze (ab ca. 0,18 €/km bei Euro 6).

Praxis-Tipps für den Alltag

  • App herunterladen: Die e-TOLL-App des Finanzministeriums ist für Gelegenheitsfahrer das einfachste Erfassungsgerät – mit vorab aufgeladenem Guthaben.
  • Transponder kompatibel wählen: Via EMYS, BeeTRACK und andere interoperable Geräte decken neben Polen weitere Länder ab – eine Investition für internationale Flotten.
  • Konzessionsabschnitte erkennen: Auf der A1 Toruń–Gdańsk zahlen Sie an der Schranke – halten Sie Karte oder Bargeld bereit.
  • Euro-Klasse prüfen: Der Tarif hängt stark von der Euro-Klasse ab – ein Euro-5-Fahrzeug zahlt deutlich mehr als Euro 6. Die korrekte Einstufung im System senkt die Kosten.
  • Konzessions-Belege sichern: Die 23 % MwSt. der Konzessionsstrecken ist auf deren Belegen ausgewiesen – für den Vorsteuerabzug (auch im Ausland über das Vergütungsverfahren) aufbewahren.

Siehe auch

Rabatte und Vergünstigungen

Hinweis: Nutzerabhängige Rabatte sind in Europa die Ausnahme – der Tarif hängt meist nur von Fahrzeugdaten (Gewicht, Achsen, Euro-/CO₂-Klasse) ab. Wo Betreiber Rabatte anbieten, gelten sie je Konzession und sind an Bedingungen geknüpft. Stand: Oktober 2026; maßgeblich sind die Bedingungen des jeweiligen Betreibers.

Rabattart Verfügbar? Details
Vielfahrer / Abo Nein (e-TOLL) staatliches e-TOLL ohne Vielfahrerrabatt
Pkw Nein Pkw zahlen auf Konzessionsstrecken; keine bekannten Rabatte (AmberGO-App)
Zahlungsart Nein OBU oder App – identischer Tarif
Emissions-/CO₂-Klasse Ja Euro-Klasse (kein CO₂-Anteil)
Tageszeit Nein –
Zeitlich befristet Nein –

Betreiber: KAS (e-TOLL). Konzessionsstrecken mit eigenem Tarif und teils Aktionen/Abos: A1 (GTC/AmberOne), A2 (AWSA), A4 Katowice–Kraków (SAM).

FAQ

Wie viel kostet die LKW-Maut in Polen 2026?

Polen gehört zu den günstigsten Mautländern: Für einen 40-Tonnen-Sattelzug (Euro 6) fallen auf e-TOLL-Strecken deutlich niedrigere Kosten pro Kilometer an als in Deutschland oder Österreich. Den genauen Betrag für Ihre Route berechnet der TollCalc-Mautrechner.

Was ist der Unterschied zwischen e-TOLL und Konzessionsstraßen?

e-TOLL ist das staatliche, GPS-basierte System ohne Schranken. Auf Konzessionsstraßen (z. B. A1 Toruń–Gdańsk) erheben private Betreiber die Maut dagegen an klassischen Mautschranken – mit separater Bezahlung.

Brauche ich in Polen eine OBU?

Für Fahrzeuge über 3,5 t auf mautpflichtigen Strecken: ja, entweder eine OBU, die e-TOLL-App oder ein kompatibler Transponder (z. B. Via EMYS).

Ist die polnische Maut mehrwertsteuerpflichtig?

Die e-TOLL-Gebühr ist eine öffentlich-rechtliche Abgabe ohne MwSt. Nur die Konzessionsstrecken (A1 AmberOne, A2 Świecko–Konin, A4 Stalexport) enthalten 23 % MwSt.

Was passiert, wenn ich die Maut nicht bezahle?

Es drohen Mautnachzahlung und Geldstrafen für Fahrer und Halter. Auf Konzessionsstraßen kommen Vertragsstrafen des Betreibers hinzu.

Wie unterscheiden sich Autobahn- und Schnellstraßen-Maut in Polen?

Die e-TOLL-Tarife gelten für das gesamte mautpflichtige Netz (Autobahnen A, Schnellstraßen S und Nationalstraßen DK) mit einheitlicher Berechnung nach Gewicht und Euro-Klasse. Auf den privat betriebenen Konzessionsstraßen (z. B. A1 Toruń–Gdańsk) gelten dagegen eigene Tarife, die an den Schranken bezahlt werden.

Kann ich die polnische Maut mit einem EETS-Gerät bezahlen?

Ja – zertifizierte EETS-Anbieter und interoperable Transponder (Via EMYS, BeeTRACK) sind mit e-TOLL kompatibel. So deckt ein Gerät mehrere europäische Länder ab und die polnische Maut erscheint in der Sammelrechnung.

Wird die polnische Maut pro Kilometer oder pauschal berechnet?

e-TOLL rechnet pro gefahrenem Kilometer auf den mautpflichtigen Abschnitten ab – abhängig von Gewichtsklasse und Euro-Klasse. Es gibt keine Vignette oder Tagespauschale für LKW in Polen.

Gibt es in Polen eine CO₂-Komponente in der Maut?

Nein – anders als in Deutschland oder Österreich kennt Polen keine CO₂-Klasse. Der Tarif richtet sich allein nach Gewichtsklasse und Euro-Emissionsklasse, was die Tarifstruktur vereinfacht.

Ist die polnische Maut für den Transit attraktiv?

Ja – mit rund 0,12 €/km (Euro 6, über 12 t) gehört Polen zu den günstigsten Mautländern. Für Ost-West-Transite ist die e-TOLL-Route meist die wirtschaftlichste Wahl.

Quellen