LKW-Maut Belgien: Viapass, drei Regionen, ein System

Belgien gehört zu den dicht befahrensten Transitländern Europas. Für Spediteure und Fahrer, die durch das Land fahren, ist das Mautsystem auf den ersten Blick ungewohnt komplex – denn Belgien ist ein Bundesstaat, in dem drei Regionen die Straßeninfrastruktur eigenständig verwalten. Das gemeinsame Koordinationssystem heißt Viapass.

Das Mautsystem in Belgien: Viapass

Viapass ist keine eigenständige Mautbehörde, sondern eine gemeinsame Plattform der drei belgischen Regionen: Flandern, Wallonien und der Region Brüssel-Hauptstadt. Über Viapass werden die Mautdaten zusammengeführt und abgerechnet, während die technische Erfassung im Free-Flow-Verfahren stattfindet. Das bedeutet: keine Schranken, keine Wartezeit – Fahrzeuge werden automatisch über Brücken und Antennen am Straßenrand registriert.

Welche Fahrzeuge sind mautpflichtig?

Die Mautpflicht gilt für alle Fahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 3,5 Tonnen. Das umfasst schwere Lkw, Sattelzüge, Busse und Nutzfahrzeuge. Für Pkw und leichte Transporter bis 3,5 t fällt keine kilometerbasierte Maut an.

Welche Straßen sind mautpflichtig?

Mautpflichtig sind in allen drei Regionen: - Autobahnen (Motorways) - Schnellstraßen (Expressways) - Wichtige Nationalstraßen (ausgewählte Strecken)

Das Netz ist umfangreicher als in vielen Nachbarländern: Auch Ausweichstrecken auf Nationalstraßen können mautpflichtig sein, was spontane Umwege zur Mautvermeidung weniger attraktiv macht.

Die drei Regionen: Flandern, Wallonien, Brüssel

Obwohl die Abrechnung über Viapass läuft, unterscheiden sich die Regionen rechtlich:

  • Flandern und Brüssel-Hauptstadt: Die Maut ist als Steuer ausgestaltet. Es fällt keine Mehrwertsteuer an.
  • Wallonien: Die Maut ist eine mehrwertsteuerpflichtige Nutzungsgebühr, da die Straßen in der Wallonie vom privaten Unternehmen Sofico verwaltet werden. Für Spediteure, die vorsteuerabzugsberechtigt sind, kann das einen Unterschied in der Abrechnung machen.

Für die Fahrt selbst spüren Fahrer diesen Unterschied nicht – das OBU-Gerät und die Abrechnung laufen über denselben Anbieter in allen Regionen.

Tarifstruktur: Emissionsklasse, Gewicht und CO₂-Aufschlag

Der Mautbetrag in Belgien ergibt sich aus zwei Komponenten:

  1. Grundtarif: abhängig von Gewichtsklasse (<12 t, 12–32 t, >32 t) und Euro-Emissionsklasse (Euro 0 bis Euro 6). Sauberere Fahrzeuge zahlen weniger.
  2. CO₂-Aufschlag: ein separater Zuschlag, der seit der Einführung des CO₂-Preises für den Straßengüterverkehr gilt. Zero-Emission-Fahrzeuge (ZEV) profitieren von einem reduzierten Basistarif.

Aktuelle Tarife finden Sie in den Mautregeln für Belgien.

Das OBU-Gerät: Satellic und EETS-Anbieter

Für die Mautabrechnung in Belgien benötigen mautpflichtige Fahrzeuge ein On-Board-Unit (OBU). Der belgische Hauptanbieter ist Satellic, der von Viapass autorisierte nationale Dienstleister. Alternativ sind auch EETS-Anbieter (European Electronic Toll Service) zugelassen, darunter bekannte Namen wie Axxès, DKV oder andere europäische Flottendienste.

Für Spediteure mit europäischem Streckennetz lohnt sich der Einsatz eines EETS-Anbieters, der auch Länder wie Frankreich, Deutschland oder die Niederlande abdeckt – so reicht ein Vertrag für mehrere Länder.

Maut schnell berechnen

Die belgische Maut ist für Transitfahrten auf dem Korridor zwischen Deutschland, Frankreich und den Benelux-Staaten besonders relevant. TollCalc berechnet die belgischen Mautkosten automatisch auf Basis der aktuellen Viapass-Tarife.

→ Aktuelle Mautsätze & Mautrechner