LKW-Maut Deutschland: Das streckenbezogene Mautsystem mit CO₂-Komponente
Deutschland betreibt eines der umfangreichsten streckenbezogenen Mautsysteme Europas. Wer als Spediteur oder Fahrer Bundesautobahnen oder mautpflichtige Bundesstraßen befährt, kommt an Toll Collect nicht vorbei.
Das Mautsystem in Deutschland
Betreiber des deutschen Mautsystems ist Toll Collect GmbH, die technische und kaufmännische Abwicklung übernimmt. Die hoheitliche Aufsicht liegt beim Bundesamt für Logistik und Mobilität (BALM). Das System ist seit 2005 in Betrieb und wurde seitdem mehrfach erweitert – zuletzt durch die Einführung der CO₂-Komponente im März 2024, die das System grundlegend verändert hat.
Die Mautpflicht gilt für alle Fahrzeuge und Fahrzeugkombinationen mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 3,5 Tonnen.
Welche Straßen sind mautpflichtig?
Mautpflichtig sind:
- Bundesautobahnen (A-Straßen) – vollständig
- Bundesstraßen (B-Straßen) – ausgewählte Abschnitte, seit 2018 schrittweise ausgeweitet
- Kraftfahrstraßen (Trunk Roads) auf Bundesebene
Landes- und Kreisstraßen sowie städtische Straßen sind grundsätzlich mautfrei. Das System arbeitet nach dem Free-Flow-Prinzip: Fahrzeuge werden an Mautbrücken automatisch per GNSS oder Mikrowelle erfasst – es gibt keine Schranken, keine Wartezeiten.
Welche Fahrzeugdaten bestimmen den Tarif?
Der Mautsatz ergibt sich aus einer Kombination von vier Faktoren:
- Gewichtsklasse – eingeteilt in 3,5–7,5 t, 7,5–12 t, 12–18 t sowie über 18 t. Fahrzeuge über 18 Tonnen werden zusätzlich nach Achszahl unterschieden (2–3 Achsen, 4 Achsen, 5 und mehr Achsen), da mehr Achsen die Straßenbelastung reduzieren.
- Achsenzahl – direkt tarifrelevant bei Fahrzeugen über 18 t.
- Euro-Schadstoffklasse – von Euro 0 (höchster Satz) bis Euro 6 (niedrigster Satz im Bereich Luftschadstoffe).
- CO₂-Klasse – fünf Klassen (1 bis 5), seit März 2024 Pflichtbestandteil des Tarifs.
Die CO₂-Klasse: die wichtigste Änderung seit 2024
Mit der Mautreform vom 1. März 2024 wurde eine CO₂-Komponente eingeführt. Jedes mautpflichtige Fahrzeug wird einer von fünf CO₂-Klassen zugeordnet:
- Klasse 1: Standard-Dieselfahrzeuge ohne CO₂-Nachweis – gilt als Fallback, wenn kein Nachweis bei Toll Collect hinterlegt ist
- Klasse 2–4: Fahrzeuge mit zertifiziert niedrigeren Emissionen (z. B. LNG/CNG, HVO100, Plug-in-Hybride, Wasserstoff)
- Klasse 5: Rein elektrische Fahrzeuge und Wasserstoff-Direktantrieb – bis 30. Juni 2031 vollständig von der Maut befreit
Wichtig: Wer keine bessere Einstufung aktiv beantragt und bei Toll Collect nachweist, zahlt automatisch den Satz der Klasse 1 – auch wenn das Fahrzeug technisch für eine günstigere Klasse qualifizieren würde.
Aktuelle Tarife finden Sie in den Mautregeln für Deutschland.
Wie wird die Maut bezahlt?
Es gibt drei Wege zur Mautabrechnung:
OBU (On-Board-Unit): Das Bordgerät von Toll Collect erfasst die Fahrt automatisch per GNSS und bucht die Maut direkt ab. Für Vielfahrer die komfortabelste Lösung – keine manuelle Buchung erforderlich.
App und Web-Einbuchung: Für gelegentliche Fahrten kann die Maut vor Fahrtantritt über die Toll Collect App oder das Webportal manuell gebucht werden. Die Buchung ist streckenbasiert und muss vor Beginn der mautpflichtigen Fahrt abgeschlossen sein.
Kennzeichenerfassung: Als Notfallrückhalt existiert die nachträgliche Kennzeichenerfassung an Mautbrücken. Dies ist jedoch keine reguläre Zahlungsmethode und führt bei fehlender OBU-Anmeldung zur Nacherhebung.
Sonderregelungen
Bestimmte Fahrzeuggruppen sind von der Mautpflicht ausgenommen, darunter Fahrzeuge der Bundeswehr, des Katastrophenschutzes sowie land- und forstwirtschaftliche Zugmaschinen. Für Fahrzeuge mit ausländischen Kennzeichen gelten dieselben Tarife wie für inländische Fahrzeuge – die Mautpflicht gilt unabhängig vom Zulassungsland.
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