LKW-Maut Österreich: GO-Box, ASFINAG und Streckenmaut erklärt

Kurzantwort: Ein 40-Tonnen-LKW zahlt in Österreich 0,28–0,57 €/km auf Autobahnen und Schnellstraßen – plus Sondermaut für Alpentunnel (Tauern ca. 22 €, Gleinalm/Karawanken ca. 18 €). Pflicht ist die GO-Box (oder ein EETS-Anbieter) für Fahrzeuge über 3,5 t.

Österreich gehört zu den mautintensivsten Ländern Europas: Für einen 40-Tonnen-Sattelzug fallen auf Autobahnen je nach Route 0,28 bis 0,57 € pro Kilometer an – plus Sondermauten für Alpentunnel. Für Spediteure und Fahrer ist es wichtig, das System der ASFINAG zu kennen – von der GO-Box über die mautpflichtigen Strecken bis zu den Sondertarifen an Tunneln und Gebirgspässen.

Das Mautsystem in Österreich

Die LKW-Maut in Österreich wird von der ASFINAG (Autobahnen- und Schnellstraßen-Finanzierungs-AG) betrieben und trägt den Namen GO-Maut. Es handelt sich um ein streckenbezogenes Free-Flow-System: Die Erfassung erfolgt automatisch über Mikrowellen-Portale, die über das gesamte mautpflichtige Netz verteilt sind. Es gibt keine Schranken und keine Wartezeiten – die Maut wird laufend im Hintergrund abgebucht.

Das System ist für Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht verpflichtend. Leichte Nutzfahrzeuge unter 3,5 Tonnen benötigen stattdessen eine Vignette (Digitalvignette), die für Pkw und leichte Lkw bis 3,5 t gilt.

Welche Straßen sind mautpflichtig?

Mautpflichtig sind ausschließlich Autobahnen (A) und Schnellstraßen (S) im österreichischen Bundesstraßennetz. Bundesstraßen (B), Landesstraßen und sonstige Nebenstraßen sind gebührenfrei. Wer auf der Route Umwege über untergeordnete Straßen nimmt, vermeidet die GO-Maut – allerdings auf Kosten von Zeit und Treibstoff.

Eine aktuelle Karte des mautpflichtigen Netzes sowie einen Routenrechner stellt die ASFINAG unter mautkalkulator.asfinag.at bereit.

Die GO-Box: Österreichs Mautgerät

Das zentrale Element der österreichischen LKW-Maut ist die GO-Box – ein Bordgerät, das per Mikrowelle mit den Erfassungsportalen kommuniziert. Die GO-Box wird über Fahrzeugdaten (Achsenzahl, Emissionsklasse, CO₂-Klasse) konfiguriert und muss vor der ersten Fahrt registriert sein. Sie ist an Tankstellen, bei ASFINAG-Partnern und online erhältlich.

Zahlungsmöglichkeiten im Überblick

  • GO-Box: Prepaid-Konto mit automatischer Abbuchung; Pflicht für Fahrzeuge über 3,5 t auf Autobahnen/Schnellstraßen.
  • EETS-Anbieter (European Electronic Toll Service): Mit einem zertifizierten EETS-Gerät können Spediteure mit einer einzigen Box mehrere Länder abdecken – sofern der Anbieter Österreich im Portfolio führt. Telepass deckt Österreich nicht ab; spezialisierte Anbieter sind z. B. Axxès, DKV oder UTA.
  • Einzelfahrt online: Für gelegentliche Fahrten kann die Maut über das ASFINAG-Portal vorab registriert werden.

Welche Fahrzeugdaten bestimmen den Tarif?

Der Mautsatz in Österreich richtet sich nach drei Faktoren:

  1. Achsenzahl – Fahrzeuge werden in drei Klassen eingeteilt: 2 Achsen, 3 Achsen und 4+ Achsen. Mehr Achsen bedeuten in der Regel einen höheren Kilometerpreis.
  2. Euro-Schadstoffklasse – Von Euro 0 bis Euro 6. Sauberere Fahrzeuge profitieren von niedrigeren Tarifen.
  3. CO₂-Klasse – Seit der Einführung einer CO₂-Komponente werden Fahrzeuge in fünf Klassen eingeteilt, die die tatsächlichen CO₂-Emissionen widerspiegeln.

Aktuelle Tarife finden Sie in den Mautregeln für Österreich.

Sondermauten: Tunnel und Gebirgspässe

Neben der kilometerabhängigen GO-Maut erhebt die ASFINAG auf bestimmten Hochleistungsstrecken zusätzliche Streckenmautgebühren (Sondermaut). Diese werden pauschal für die Durchfahrt eines Abschnitts berechnet und kommen zur normalen GO-Maut hinzu:

  • Tauerntunnel (A10) – Einer der meistbefahrenen Alpentunnel Österreichs zwischen Salzburg und Kärnten. Für einen 40-Tonner kostet die Durchfahrt ca. 22 € zusätzlich.
  • Gleinalmtunnel (A9) – Strecke auf der Pyhrn-Autobahn in der Steiermark, ca. 18 € für einen 40-Tonner.
  • Karawankentunnel (A11) – Grenzübergang zwischen Österreich und Slowenien, ca. 18 € für einen 40-Tonner.
  • Brennerautobahn (A13) und Arlberg-Schnellstraße (S16) – auch auf diesen Strecken gelten erhöhte Abschnittstarife.

Die Höhe der Streckenmaut variiert je nach Fahrzeugkategorie. Wer diese Tunnel plant, muss beide Gebühren einkalkulieren: GO-Maut für die Gesamtstrecke plus Streckenmaut für den Tunnelabschnitt. Der TollCalc-Mautrechner berücksichtigt die österreichischen Sondermauten automatisch.

Strafen bei Nichtbezahlen

Wer ohne gültige GO-Box oder mit falsch konfiguriertem Gerät auf mautpflichtigen Strecken fährt, riskiert empfindliche Konsequenzen:

  • Mautnachzahlung: Die ASFINAG stellt die entgangene Maut in Rechnung – nachträglich und mit Aufschlag.
  • Verwaltungsstrafe: Das Nichteinlösen der Maut kann mit Geldstrafen belegt werden, die je nach Schwere mehrere hundert Euro betragen können.
  • Falsch konfigurierte GO-Box: Auch eine falsche Achsenzahl oder Gewichtsklasse gilt als Mauthinterziehung und wird sanktioniert.

Praktischer Tipp: Vor der Fahrt die GO-Box-Konfiguration prüfen und das Guthaben ausreichend aufladen – die Kontrolle erfolgt automatisch und vollständig.

Ist die österreichische Maut steuerpflichtig?

Die österreichische GO-Maut ist mehrwertsteuerpflichtig: Die ASFINAG rechnet die Tarife netto zuzüglich 20 % Umsatzsteuer ab. Der Spediteur kann die österreichische USt. als Vorsteuer geltend machen – im Inland direkt über die Umsatzsteuervoranmeldung, im EU-Ausland über das Vorsteuer-Vergütungsverfahren (Frist 30.09. des Folgejahres). Details zur steuerlichen Behandlung finden Sie in unserem Artikel Mehrwertsteuer bei der LKW-Maut.

Besonderheiten für Elektro-LKW

Rein elektrische Schwerlastfahrzeuge (CO₂-Klasse 5 / BEV) sind in Österreich nicht vollständig von der Maut befreit. Sie zahlen einen reduzierten Tarif, der die Infrastrukturkosten abdeckt, jedoch ohne CO₂- oder Emissionskomponente. Dieses Modell unterscheidet sich von Deutschland, wo CO₂-Klasse-5-Fahrzeuge bis 2031 von der CO₂-Komponente befreit sind.

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Kostenbeispiele für typische Routen (40 t, Euro 6)

Die folgenden Beispiele zeigen die tatsächlichen GO-Maut-Kosten für einen 40-Tonnen-Sattelzug mit Euro-6-Motor (CO₂-Klasse 1), berechnet mit dem TollCalc-Mautrechner:

Route Strecke Maut (netto)
Wien → Salzburg 299 km ca. 162 € + 20 % USt.
Salzburg → Innsbruck 186 km ca. 77 € + 20 % USt.
Innsbruck → Brenner (A13) 38 km ca. 18 € + 20 % USt. (inkl. Sondermaut)

Die Werte sind Richtwerte für die Routenplanung – die tatsächlichen Kosten hängen von Achsenzahl, Euro-Klasse, CO₂-Klasse und gewählter Strecke ab. Zusätzlich zur GO-Maut fallen auf den Tunnelstrecken (Tauern, Gleinalm, Karawanken, Brenner) Sondermauten an.

Tipps für Spediteure in Österreich

  • GO-Box vorab registrieren: Die GO-Box muss mit den korrekten Fahrzeugdaten konfiguriert sein – eine falsche Achsenzahl führt zu Nachforderungen.
  • EETS nutzen: Ein zertifizierter EETS-Anbieter (z. B. Axxès, DKV) deckt Österreich und andere Länder mit einem Gerät ab – ideal für internationale Flotten.
  • Tunnelstrecken einplanen: Routen über die A9 (Gleinalm), A10 (Tauern) oder A13 (Brenner) kosten deutlich mehr als Strecken über mautfreie Umgehungen – die Zeitersparnis muss die Mehrkosten rechtfertigen.
  • Vorsteuer sichern: Die 20 % österreichische USt. auf die Maut können Sie als Vorsteuer abziehen (im Ausland über das Vergütungsverfahren, Frist 30.09.).
  • Elektro-LKW: CO₂-Klasse-5-Fahrzeuge zahlen einen reduzierten Tarif – die Einstufung lohnt sich finanziell.

Zahlen & Fakten zur österreichischen Maut

  • Betreiber: ASFINAG – staatliche Autobahngesellschaft
  • System: GO-Maut, Free-Flow per Mikrowellen-Portal, keine Schranken
  • Mautpflicht: Autobahnen und Schnellstraßen, Fahrzeuge > 3,5 t
  • MwSt.: 20 % (Tarife netto)
  • Sondermaut: Tauern, Gleinalm, Karawanken, Brenner, Arlberg

Tarife im Überblick (2026)

Die GO-Maut-Tarife 2026 (netto, zzgl. 20 % USt.) für die CO₂-Klasse 1 in EUR/km:

Achsen Euro 4 Euro 5 Euro 6
2 Achsen 0,3114 0,2924 0,2774
3 Achsen 0,4296 0,4086 0,3856
4+ Achsen 0,6324 0,6024 0,5724

Fahrzeuge der CO₂-Klassen 2–5 zahlen leicht reduzierte Sätze. Die Tabellen zeigen: Ein 40-Tonnen-Sattelzug (5 Achsen, Euro 6, CO₂-1) zahlt rund 0,57 €/km – die GO-Maut ist damit eine der teuersten in Europa, noch vor Deutschland.

Praxis-Tipps für den Alltag

  • Tankstellen mit ASFINAG-Partner: Die GO-Box ist an Tankstellen, bei ASFINAG-Partnern und online erhältlich – die Registrierung dauert nur wenige Minuten.
  • Guthaben im Blick: Die GO-Box arbeitet mit Prepaid-Guthaben. Bei unzureichendem Guthaben drohen Nachforderungen – eine automatische Aufladung verhindert das.
  • Route mit Sondermaut prüfen: Der TollCalc-Mautrechner zeigt vor Abfahrt, ob die geplante Route über mautpflichtige Tunnel (Tauern, Gleinalm, Karawanken) führt – und was diese zusätzlich kosten.
  • Fahrzeugwechsel melden: Beim Tausch von Zugmaschine oder Auflieger müssen die Fahrzeugdaten der GO-Box aktualisiert werden – sonst drohen falsche Tarife und Sanktionen.
  • Belege sichern: Die ASFINAG stellt monatliche Sammelrechnungen mit ausgewiesener USt. – wichtig für den Vorsteuerabzug.

Rabatte und Vergünstigungen

Hinweis: Nutzerabhängige Rabatte sind in Europa die Ausnahme – der Tarif hängt meist nur von Fahrzeugdaten (Gewicht, Achsen, Euro-/CO₂-Klasse) ab. Wo Betreiber Rabatte anbieten, gelten sie je Konzession und sind an Bedingungen geknüpft. Stand: Oktober 2026; maßgeblich sind die Bedingungen des jeweiligen Betreibers.

Rabattart Verfügbar? Details
Vielfahrer / Abo Nein kein Vielfahrerrabatt der ASFINAG
Pkw Nein Vignette (10 Tage / 2 Monate / Jahr) + Sondermauten an Tunneln; keine Vielfahrer-Rabatte
Zahlungsart Nein GO-Box oder EETS-Anbieter – gleicher Tarif
Emissions-/CO₂-Klasse Ja Euro-Klasse und CO₂-Klasse 1–5 bestimmen den Satz; Elektro-LKW zahlen einen reduzierten Satz ohne CO₂-Anteil
Tageszeit Nein –
Zeitlich befristet Nein –

Betreiber: ASFINAG (GO-Maut). Sondermauten (Tauern-, Gleinalm-, Karawanken-, Brennerautobahn) werden separat berechnet.

FAQ

Welche Straßen sind in Österreich mautpflichtig?

Nur Autobahnen (A) und Schnellstraßen (S) der ASFINAG. Bundesstraßen, Landesstraßen und Ortsdurchfahrten sind mautfrei. Wer Umwege über Landesstraßen nimmt, umgeht die Maut – zahlt aber mit Zeit und Treibstoff.

Was kostet die LKW-Maut in Österreich 2026?

Je nach Achsenzahl, Euro-Klasse und CO₂-Klasse ca. 0,28 bis 0,57 €/km für einen 40-Tonnen-Sattelzug. Hinzu kommen Sondermauten für Tunnel wie Tauern, Gleinalm und Karawanken.

Brauche ich in Österreich eine GO-Box?

Für Fahrzeuge über 3,5 t auf Autobahnen und Schnellstraßen: ja. Alternativ kann ein zertifizierter EETS-Anbieter genutzt werden, der Österreich im Portfolio hat.

Ist die österreichische Maut umsatzsteuerpflichtig?

Ja – die ASFINAG weist die GO-Maut netto zuzüglich 20 % USt. aus. Die USt. kann als Vorsteuer abgezogen bzw. im EU-Ausland über das Vergütungsverfahren erstattet werden.

Was passiert bei fehlender GO-Box?

Es drohen Mautnachzahlung mit Aufschlag sowie Verwaltungsstrafen. Die Erfassung erfolgt automatisch über die Mikrowellen-Portale der ASFINAG.

Welche Sondermauten gibt es auf österreichischen Autobahnen?

Der Tauerntunnel (A10), der Gleinalmtunnel (A9), der Karawankentunnel (A11) sowie die Brennerautobahn (A13) und die Arlberg-Schnellstraße (S16) erheben zusätzliche Streckenmaut. Für einen 40-Tonner kostet der Tauerntunnel ca. 22 €, Gleinalm und Karawanken ca. 18 €.

Wie unterscheidet sich Österreich von Deutschland bei der Maut?

Österreich rechnet die GO-Maut netto zuzüglich 20 % USt. ab (Deutschland: keine USt. auf die LKW-Maut). Zudem gibt es in Österreich Sondermauten für Alpentunnel, die in Deutschland nur bei den privaten Tunneln (Warnow, Herrentunnel) vorkommen.

Quellen