LKW-Maut Tschechien: Das MYTO-System
Tschechien betreibt eines der technisch ausgereiftesten Mautsysteme Mitteleuropas. Das elektronische Free-Flow-System MYTO erfasst mautpflichtige Fahrzeuge vollautomatisch über Erfassungsbrücken – ohne Schranken, ohne Anhalten. Betrieben wird das System vom staatlichen Betreiber MYTO CZ.
Das Mautsystem in Tschechien: MYTO
MYTO (offiziell: myto.gov.cz) ist das nationale Straßenmautsystem für Nutzfahrzeuge ab 3,5 Tonnen. Es arbeitet nach dem GNSS/DSRC-Prinzip: Fahrzeuge können entweder per GNSS-OBU (satellitengestützt) oder per Mikrowellen-Transponder (DSRC) erfasst werden. Die Maut wird streckenbezogen je gefahrenem Kilometer auf mautpflichtigen Abschnitten berechnet.
Das System ist vollständig digital – Anmeldung, Abrechnung und Tarifverwaltung laufen über das Online-Portal. Eine physische Mautstation gibt es nicht. Fahrzeuge ohne gültiges OBU-Gerät können alternativ über das MYTO-Webportal eine streckenbezogene Vorabregistrierung vornehmen.
Welche Straßen sind mautpflichtig?
Die Mautpflicht gilt in Tschechien für zwei Straßenkategorien:
- Autobahnen (D-Straßen): Alle tschechischen Autobahnen sind vollständig mautpflichtig. Hier gelten die höheren Autobahnmautsätze.
- Erstklassstraßen (Silnice I. třídy): Ausgewählte Nationalstraßen erster Klasse sind ebenfalls ins Mautsystem einbezogen – allerdings zu niedrigeren Tarifen als auf Autobahnen.
Diese Zweiteilung ist eine Besonderheit des tschechischen Systems: Wer auf Erstklassstraßen ausweicht, zahlt zwar weniger pro Kilometer, aber die Strecke ist länger und oft langsamer.
Tarifstruktur: Gewicht, Achsen und Emissionsklasse
Der Mautsatz in Tschechien hängt von drei Faktoren ab:
- Gewichtsklasse des Fahrzeugs: 3,5–7,5 t, 7,5–12 t und über 12 t
- Achsenzahl: 2, 3, 4 oder 5 und mehr Achsen
- Emissionsindex: Eine kombinierte Kennzahl aus Euro-Norm und CO₂-Klasse
Grundsätzlich gilt: Je schwerer und achsenärmer ein Fahrzeug, desto höher der Tarif. Neuere, sauberere Fahrzeuge profitieren von niedrigeren Tarifen.
Besonderheit: Emissionsindex kombiniert Euro-Norm und CO₂-Klasse
Tschechien hat eine eigene Methode entwickelt, um Emissionen zu berücksichtigen: Statt Euro-Norm und CO₂-Klasse getrennt zu behandeln, werden beide Werte zu einem Emissionsindex zusammengeführt. Ein Euro-6-Fahrzeug der CO₂-Klasse 1 hat einen anderen Index als ein Euro-6-Fahrzeug der CO₂-Klasse 5 – mit entsprechend unterschiedlichen Tarifen.
Das bedeutet praktisch: Spediteure, die ihre Fahrzeuge für eine bessere CO₂-Klasse zertifiziert haben, zahlen in Tschechien automatisch weniger Maut – ähnlich wie in Deutschland, aber mit einer anderen technischen Umsetzung.
Wie wird die Maut bezahlt?
Die Abrechnung erfolgt in tschechischen Kronen (CZK) und läuft üblicherweise monatlich:
- OBU per GNSS: Das Bordgerät zeichnet die gefahrene Strecke auf und übermittelt sie automatisch. Empfohlen für Fahrzeuge, die regelmäßig durch Tschechien fahren.
- Prepaid-Konto: Fahrer können ein Guthaben aufladen, das automatisch verbraucht wird.
- Vorabregistrierung: Für gelegentliche Durchfahrten – Strecke, Fahrzeug und Zahlungsmittel werden vorab über das MYTO-Portal registriert.
Internationale Flottenbetreiber nutzen häufig einen der akkreditierten Serviceprovider (z. B. DKV, UTA, Eurotoll), die die tschechische Maut in ihre Sammelabrechnung integrieren.
Aktuelle Mautsätze
Die Tarife werden regelmäßig angepasst. Aktuelle Sätze für alle Gewichtsklassen, Achszahlen und Emissionsindizes finden Sie direkt in den Mautregeln für Tschechien.